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Design for Six Sigma – mal einfach erklärt

Der exzellente Beitrag, den Six Sigma Verbesserungsprojekte und Programme für den Erfolg und die Wertschöpfung von Unternehmen leisten ist mittlerweile sehr gut dokumentiert. Die Anwendung  dieser Philosophie hat vielen Unternehmen dabei geholfen Ihre Unternehmensprozesse auf Höchstleistungen zu bringen. Allerdings erreichen diese dann selten ein echtes Six Sigma Level. Um dies zu realisieren, müssen Unternehmen Produkte und Dienstleistungen anbieten, von denen nur 0,00034% die Kunden nicht zufrieden stellen. Damit ein Unternehmen diese Leistung überhaupt erbringen kann, müssen Prozesse, Dienstleistungen und Produkte von Zeit zu Zeit grundlegend erneuert werden. Und genau an dieser Stelle setzt Design for Six Sigma (DFSS) an.

 

Mit DFSS werden neue Prozesse, Produkte und Dienstleistungen entwickelt, die das hohe Six Sigma Ziel erst erreichen und damit in höchstem Maß zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Mit DFSS bleiben Sie bei der einfachen Verbesserung des bestehenden nicht stehen, sondern schaffen Bestleistung durch rigorose Neuentwicklung. Der wesentliche Unterschied zu Verbesserungsprogrammen liegt dabei darin, dass DFSS auf zukünftiges Wachstum und Verbesserung der Marktchancen durch Null – Fehler - Innovation zielt.

 

Auf den Punkt gebracht ist DFSS nichts anderes als ein strukturiertes Vorgehen, das Kreativität und Innovation mit einem disziplinierten und rigorosen Six Sigma Prozess verknüpft und Ihnen erlaubt, in höchstem Maß erfolgreiche neue Designs zu entwickeln und im Markt einzuführen

DFSS ist eine Antwort auf ein Problem, das Unternehmen heutzutage in einer Globalen und von hartem Wettbewerb geprägten Geschäftswelt bewegt. Neueste Umfragen großer Unternehmen in Europa und den USA betonen, dass mehr als die Hälfte der Geschäftsführer Innovationen als den kritischen Erfolgsfaktor für die Zukunft ihrer Unternehmen schlechthin angeben. Auf der anderen Seite dieser Statements steht, dass in den gleichen Unternehmen Innovationsprojekte in der Regel ihre gesetzten Ziele nicht erreichen. Einfach gesagt, wir haben das dringende Bedürfnis Innovationen zu bringen, sind aber auf der anderen Seite nicht in der Lage dieses Bedürfnis erfolgreich zu erfüllen.

 

Die Hauptursachen für dieses Dilemma sind:

  • Zu viele ad hoc oder nur inkrementelle und triviale Innovationen, die vom Kunden gar nicht erst als solche bemerkt werden.

  • Unzureichende Vorarbeiten und wenig bis gar kein Wissen über die Anforderungen und Wünsche der Kunden

  • Ineffektive Projektteams, die mit den falschen Werkzeugen und Methoden ausgestattet sind.

 

Design For Six Sigma geht diese Ursachen direkt an. Dabei basiert die Methode auf der DMADV Vorgehensweise (Define, Measure, Analyse, Design, Validate) und verfolgt folgende 7 einfache Prinzipien:

  • Prinzip 1 - Verstehe den Kunden
    Entwickeln Sie  Produkte und Dienstleistungen basierend auf den Ansprüchen und Preisvorstellungen der Kunden, welche fundamentale Probleme der Kunden lösen

  • Prinzip 2 - Intensive Vorbereitung
    Setzen Sie den Schwerpunkte in vorbereitende Markt, Geschäftsmodell und technische Assessments. Basierend auf diesen Analysen wird die Voice of the Customer in eine erfolgsträchtige Produkt oder Servicebeschreibung umgesetzt.

  • Prinzip 3 – Iterative Entwicklung
    Kunden wissen nicht was sie wollen, bis sie es sehen und auch anfassen können. Schaffen Sie einen frühen Prototypen vor Ihre Kunden. Hören Sie auf Kundenfeedback während des gesamten Entwicklungsprojektes. Realisieren – Testen – Feedback – Verfeinern.

  • Prinzip 4 – Holistischer unternehmensübergreifender Ansatz
    Innovation und Design sind nicht nur F&E Aktivitäten. Produkt- und Serviceentwicklung sind bereichsübergreifende Team Aktivitäten, die alle Aspekte des Unternehmens betreffen; beziehen Sie Lieferanten, Stakeholder, Mitarbeiter und Kunden in den Entwicklungsprozess ein.

  • Prinzip 5 – Entwicklung von Lösungen, die Verschwendung, nicht wertschöpfende Tätigkeiten minimieren und einen kontinuierlichen Prozess gewährleisten
    Denken Sie bei der Entwicklung von vornherein daran, dass das Design Ihres Produktes oder Service jegliche Art der Verschwendung im Herstellungs- und Distributionsprozess eliminiert.

  • Prinzip 6 – Liefern Sie ein fehlerfreies Produkt und fehlerfreien Service
    Eliminieren Sie die Ursachen für potenzielle Fehler, Defekte oder Qualitätsprobleme während des gesamten Entwicklungsprozesses durch die stringente Anwendung der Six Sigma Werkzeuge von Anfang an (z.B.: FMEA, House of Quality, Conjoint Analyse, Quality Function Deployment etc.). Im Fokus steht die Entwicklung einer Innovation für die „praktische“, fehlerfreie Anwendung durch den Kunden.

  • Prinzip 7 – Kreative Ideengenerierung unterstützt durch rigorose Implementierung
    Bei der Entwicklung innovativer Lösungen gibt es eine Zeit für ein hohes Maß an Kreativität. Dieser muss aber die disziplinierte Umsetzung der Idee durch einen systematischen Innovationsprozess folgen, der das Gleichgewicht zwischen Kreativität und Disziplin schafft.

 

Mit diesen Prinzipien als Fundament schafft der DMADV Prozess einen mächtigen und disziplinierenden Rahmen, der von sehr praktischen Werkzeugen unterstützt wird. Viele dieser Werkzeuge sind identisch mit denen, die in Six Sigma Verbesserungsprojekten über den DMAIC (Define, Measure, Analyse, Improve, Control) Prozess verwendet werden. Allerdings verwendet sie DFSS auf geringfügig andere Weise und in einem geringfügig anderen Kontext. Das bedeutet, wenn sie sich mit DMAIC auskennen, werden Sie DMADV sehr schnell durchdringen und anwenden können.

 

Jetzt, da wir wissen, welche einfachen Prinzipien hinter DFSS stecken, stellt sich die Frage, was nun den flächendeckenden Einsatz von DFSS behindert. Teilweise liegt es daran, das immer noch die meisten Unternehmer glauben, Six Sigma verbessere einzig und allein die technischen Prozesse des Unternehmens. Dies ist natürlich ein reiner Mythos, da die Six Sigma Vorgehensweise auf allen Ebenen und für alle Prozesse eines Unternehmens angewendet werden kann. Auf der anderen Seite haben viele Unternehmen bereits strukturierte Entwicklungsprozesse implementiert. Auch wenn die Erfolge nicht gerade berauschend sind, gibt es ein verständliches Unbehagen darüber, eingeführte und stabile Prozesse einfach über Bord zu werfen. Um dies Problem zu lösen, sollten die Elemente von DFSS in die bestehenden Prozesse und Strukturen integriert werden.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass DFSS ein sehr praxisorientiertes aber mächtiges Werkzeug zur Verbesserung der Wirksamkeit von Entwicklungsprozessen darstellt, das die wesentlichen Ursachen für wenig erfolgreiche Innovationsprojekte direkt adressiert. DFSS stützt sich im Kern auf wenige, einfach verständliche Prinzipien und baut auf bekannten Konzepten auf (DMADV vs. DMAIC). Darüber hinaus ist die Vorgehensweise universell einsetzbar und flexibel genug, in bestehende Prozessstrukturen integriert zu werden.

 

Es gibt also keinen wirklichen Grund, DFSS nicht anzugehen.

 

Alexander Frank

 

Bildquelle: www.allposters.com/-sp/Motivation-Posters_i16...