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Bildung und Wirtschaft - kein Widerspruch!

Was man zu Kompetenzentwicklung so alles diskutiert

Pisastudie, Fachkräftemangel und eine hohe Zahl an unzureichend qualifizierten Schulabgänger – das ist die aktuelle Situation des Bildungssystems in Deutschland. Rund 350 Teilnehmer aus Schule, Bildung und Wirtschaft trafen sich am 28. und 29. November 2007 zum Handelsblatt-Jahreskongress in Berlin um mögliche Lösungsansätze und Modelle einer Partnerschaft zwischen Wirtschaft und Schule zu diskutieren. 

Bildung und Ökonomie – kein Widerspruch

Das Wissen um Ökonomie, wirtschaftliche Zusammenhänge und der richtige Umgang mit Geld  müssten heute zum „Allgemeinwissen“ eines jeden Schulabgängers gehören. Die Realität sieht jedoch anders aus: „Wirtschaftliches Grundwissen“ wird an den Schulen nur in Verbindung mit Mathematik oder Geschichte vermittelt. Ein Fach „Wirtschaft“ oder „Ökonomie“ sucht man an den Schulen und im Lehrauftrag vergebens.

Wer könnte besser wissen, welche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Eigenschaften von einem Schulabgänger gefordert sind als die Wirtschaft – ausbildende Unternehmen – selber. Die Unternehmen brauchen qualifizierte Arbeitskräfte, die nicht nur ordentlich Mathematik, Deutsch und Physik können, sondern beim Berufsstart wissen, dass es in der Lehre um Eigeninitiative, Persönlichkeit, Teamarbeit, Kreativität und unternehmerisches Denken und Handeln geht. „Kooperation“ war in den beiden Kongresstagen das Zauberwort. Kooperation zwischen Unternehmen, Schule, Wirtschaft und Politik – die Lösung?

In den Diskussionen zeigte sich, dass viele Schulen, vor allem in NRW, bereits seit längerem mit der Wirtschaft Kooperationspartnerschaften pflegen und damit sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Diese Kooperationen beruhen nicht darauf finanzielle Mittel bereitzustellen. Praktikum, Ferienjobs, Lehrstellen und Betriebsbesichtigungen verschaffen den Schülern die Möglichkeit, die verschiedenen Aufgabengebiete und Anforderungen in der Arbeitswelt kennen zu lernen und auszuprobieren.

Bildung und Ökonomie – kein Widerspruch

Vertreter renommierter Unternehmen wie die Deutsche Bahn AG, Hewlett Packard, Henkel sowie Procter & Gamble berichteten über Ihre Erfahrungen, Ihre Anforderungen und ihre Lösungen.

Beispielweise engagiert sich die Deutsche Bahn seit mehreren Jahren im Bereich der schulischen Ausbildung. Jedem interessiertem Schulleiter wird ein Personalleiter als „Schulpate“ und Coach zur Seite gestellt, der sich um Schülerpraktika, Bewerbertraining und Betriebsbesichtigungen kümmert.

Für die immer weiter ansteigende Zahl an nicht ausbildungsreife Jugendliche wurde auf Seiten der Deutschen Bahn ein eigenes Programm, „Chance Plus“, ins Leben gerufen. In diesem elfmonatigen Praktikantenprogramm wurden seit 2004 mittlerweile mehr als 500 bedingt ausbildungsfähige Jugendliche auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereitet und somit der Direkteinsieg oder die Ausbildung ermöglicht.

Fazit

Schule und Wirtschaft haben stets die Frage zu beantworten wie - trotz unterschiedlicher genereller Ziele - eine Kooperation zum gegenseitigen Vorteil möglich ist. Den Unternehmen bieten solche Kooperationen z. B. eine Möglichkeit für gesellschaftspolitisches Engagement. Den Schulen ermöglichen die Praxiskontakte vor allem authentische Lernerfahrungen und Einblicke in die Arbeits- und Wirtschaftswelt. Zentrale Voraussetzung für Kooperationsgewinne ist das Verständnis für das jeweils andere System und dessen Spielregeln. Der gemeinsame Austausch über Ziele und Erwartungen an Kooperationen ist dabei unerlässlich um Vorurteile und Berührungsängste der Vergangenheit angehören zu lassen.

Kooperation ist jedoch nicht alles. Ökonomische Bildung benötigt angemessene Rahmenbedingungen. Bisher ist in keinem Bundesland eine Konzeption für ökonomische Bildung von der Primarstufe bis zur Sekundarstufe der allgemeinbildenden Schule zu erkennen. Die Rahmenbedingungen für ökonomische Bildung sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Will man mehr ökonomische Grundbildung in der Schule, müssen mehr Zeit und entsprechend qualifizierte Lehrkräfte zur Verfügung gestellt werden.

Tobias Bläsing 

 Bildquelle: www.allposters.com/-sp/Motivation-Posters_i16...